Enduro-Tour Sardinien 2013

Jeder Tag ist eine Reise für sich…….
Bericht und Fotos Mr.40-Stroke, Klaus A.

Vorgesehen war eine Strecke von etwa 200 km pro Tag zwischen Meer und Gebirge, auf häufig wechselndem Untergrund, von OnRoad, Bergrennstrecken auf Traumteer, kleinen Teersträßchen am Meer, Schotterpisten, Sandstrecken, Strand, steinigen Singletrails und und und ……… alles in einer traumhaft blühenden Landschaft mit Meerblick.

 
Aber alles zurück zum Anfang !

Der Gedanke an eine Sardinien-Enduro-Tour reifte in meinem Hirn schon mehrere Jahre und drängte sich immer häufiger in die vorderen Gehirnwindungen. Im Hinblick auf die schon 56 Lebensjahre, die hinter mir liegen, mußte ich mich langsam beeilen, denn ich komme der statistischen Lebenserwartung immer näher…….
     
Zuerst als Solo-Tour nach GPS-Daten geplant, entschloss ich mich doch die „Sicherheitsoption“ zu ziehen und einen Mitstreiter zu suchen.
Wer ist so verrückt eine Enduro-Tour auf Sardinien in 5 Tagen mitzumachen ?
Alle Klamotten, Ersatzteile und das Werkzeug mußten, auf ein Minimum reduziert, im Rucksack immer mitgeführt werden.
Mein erster Anruf galt Klaus A. aus Darmstadt, fast 30 Jahre Freundschaft, viele Jahre gemeinsames Endurofahren in Rennen und auf Endurotouren, eine gemeinsame „Denke“ und eine belastbare Vita machten ihn zum perfekten Partner.
Klaus war sofort infiziert, sagte zu, kaufte einen neuen Kabelbaum für seine Husa, baut ihn ein, so war auch der Kupferwurm besiegt.
                        
Mittwochmorgen in München nach einem guten Frühstück beladen wir den Vivano-Transporter und ich stellte meine KTM EXC neben die Husaberg von Klaus. Zügig ging es über die Autobahn über die Alpen, die Toskana nach Livorno, denn die Nachtfähre nach Sardinien wartete. Aber es wartete nicht nur die Fähre, auch unser Jochi wartete an der Fähre, denn er wollte geschäftlich mit KTM zu der Präsentation der Enduro SixDays-Modelle auf die Insel.
Mit letzten Tipps für schöne Enduro-Strecken versehen enterten wir die Fähre. Jochi bestieg die Nachbarfähre. Bei gleicher Abfahrtzeit freuten sich Klaus und ich, als unsere Fähre als erste ablegte und wir klatschen uns ab – erstmals den mehrfachen Enduro-Europameister und mehrfachen Deutschen Enduro Meister abgeledert  !
Ich hatte, zur Einstimmung eine Flasche guten Rotwein und zwei Plastikbecher eingesteckt, die wir bei Mondschein auf dem Sonnendeck leerten.

Leider zu früh gefreut, denn im Morgengrauen zog er mit seinem Dampfer vorbei und legte als erster auf Sardinien an – wieder war Jochi schneller ……
Angekommen auf Sardinien querten wir noch im Transporter die Insel an die Westküste nach Alghero. Dort angekommen entluden wir die Moppetts setzten die Rucksäcke auf  und fuhren auf die Küstenstraße nach Süden. Wunderbar geschwungene breite Teerstraßen an der Küste mit traumhaften Aussichten begeisterten uns schon ab dem ersten Kilometer.
  Am erste Fahrtag war Kilometerfressen angesagt, auf kleinsten Straßen und Wegen am Meer führte der GPS-Track nach Süden, vorbei an den Korallenbänken bei Alghero und an der Steilküste entlang.
Ein kurzer Einkauf in einem kleinen Supermarkt machte eine Mittagsrast am Strand möglich.

Zu den Salzseen bei Oristano und über Schotterstrecken ging es an traumhaft weißen Stränden entlang es zur Costa Verde in den Süden.
  Wir nahmen den Tipp von Jochi an und quartierten uns in einem kleinen Hotel in Arbus für 2 Nächte ein. Wir wohnten in einem 5 Zimmer-Appartment mit Kamin und Dachterasse. Die Söhne von Remugio (Hotelbesitzer) sind selbst mit der Enduro unterwegs und boten sofort Hilfe bei der Streckenwahl, oder sogar einen Guide für das nächste Mal an.
Das GPS meldete für den 1. Fahrtag :
- Fahrstrecke 220km
- 2.502 Höhenmeter
- maximale Höhe 462m über dem Meer
Die abendliche Pizza schmeckte traumhaft und der Schlaf war tief und fest, denn die Nacht auf der Fähre war kurz.
Das morgendliche Frühstück auf der Dachterrasse bildete ein unvergleichliches Ambiente und stimmte uns für den Tag ein. Auf dem GPS-Plan stand eine Endurorunde von den ca. 1.000m hohen Bergen zu den Stränden ans Meer. Ich hatte verschiedene GPS-Daten zu einer schönen Endurorunde zusammengestellt – das sollte noch einen Lernprozeß nach sich ziehen.
Es wurde 10:00 Uhr bis wir die Motoren starteten und dem margentafarbenen Track auf dem Garmin-GPS in die Berge folgten. Ein wunderschön feinschottriger Weg führte uns auf fast 1.000m in die Berge.

Die Sonne und der blaue Himmel bildeten mit der blühenden Maccia ein faszinierendes Bild.
    Tja, und dann führte uns der Track spitzwinklig auf einen kleinen Weg der immer steiler bergab führte und immer felsiger wurde. Plötzlich wurde uns klar, dass es kein Zurück mehr gibt ……
1 Stunde schieben, ziehen später zeigte das GPS einen Fahrweg an – nur noch 500m Luftlinie ……..
Der Lernprozeß ist abgeschlossen, denn ich habe gelernt, dass GPS-Track nicht GPS-Track ist – der eine Track ist von einem „Soft“-Enduristen, der andere Track von einem „Hard“-Enduristen und ich habe zu Hause am Esstisch einfach die Tracks verbunden …….
Wir erholten uns auf den Schotterpisten in Richtung Süden, kippten einen Cappo, warfen ein Panini ein und rollten mit dem allerletzten Topfen Benzin an die Tanke und genossen die Tour. Den kulturellen Teil handelten wir an der Grotte di S. Giovanni ab.
  Die Strecke zwischen Arbus und Domusnovas hatten wir komplett nach GPS-Track OffRoad geschafft !
Nun stand als Ziel Fluminimaggiore auf dem Programm, und wir erreichten wieder geteerte Straßen, die plötzlich fahrerlagermäßig mit Wohnmobilen und Rennwagen bevölkert war.
Wir waren auf einer Bergrennstrecke nördlich von Iglesias gelandet. Vom Lancia Stratos bis zum verhinderten F1-Renner standen die Boliden rennbereit am Straßenrand. OK, die Strecke war nicht gesperrt, also auf den Teer und Gaaaaaaaaaaaaaaaaas.
Eine Freude wie die großen 4Takter aus den Kurven rausziehen, auch die Metzeler Six-Days  entwickeln ganz guten Gripp.
Am Ziel der Bergrennstrecke führte der Track wieder auf eine Schotterstrecke durch die Berge in Richtung Meer.
Plötzlich standen wir vor einer verlassenen Marmor-Fabrik.

Wie kann jemand auf den Gedanken kommen in dieser verlassenen Gegend eine Fabrik aufzubauen, die nur über enge bergigen Schotterwege erreichbar ist ?
Naja, Italiener – oh, sorry – Sarden halt !
Am Straßenrand in Fluminimagiore sehe ich plötzlich Enduro-Streckenpfeile !
Und da ein Pfeil der zur Crossprüfung führt – Planänderung, das müssen wir uns ansehen.
Den Streckenpfeilen folgend befahren wir die Strecke, schauen kurz an der Crossprüfung vorbei und erreichen nach ca. 15 km eine sandige Bucht und schauen der Sonne zu wie sie im Meer versinkt.
 
Auf direktem Weg, über einen kleinen Pass geht es in der Dämmerung zurück in Richtung Hotel. Nach10 Stunden Fahrzeit enterten wir in Arbus direkt unsere Pizzeria und verschlangen das Menu Nr. 8 (Wiener Schnitzel mit Pommes und Saltat mit Pizzabrot) für 8€uronis.
Nun nur noch unter die Dusche und die Strecke für den nächsten Tag planen.
Das GPS meldete für den 2. Fahrtag :
- Fahrstrecke 186km
- 3.945 Höhenmeter
- maximale Höhe 934m über dem Meer

Heute mußte das Frühstück etwas zügiger von statten gehen, denn wir wollten noch über die „Minen-Runde“ und den „Furtentrail“ die großen Dünen bei Piscinas und Marina die Arbus abfahren und noch die Küstenstraße nach Alghero zum Transporter wieder gen Norden fahren. Da wir noch die Nachtfähre an der Costa Smeralda erwischen mußten setzten wir uns als letzten Termin 17:00 Uhr Abfahrt am Transporter-Parkplatz.
Stark ausgespülte Schotterwege führten uns in eine traumhafte aber raue Berglandschaft und in das verlassene Mienengebiet, wo bis in die 80er-Jahre Zink abgebaut wurde.
 
Einfach GEIL, durch einen engen Canyon, der sich zum Meer hin öffnet geht es über Schotterwege und Abraumhalden, plötzlich an einem Freeclimber Areal vorbei.

SpiderMan-artig kleben die Jungs und Mädels an der Wand – aber wie kommen die mit ihren PKWs über die Schotterwege an diese Stelle ? – Naja, Sarden halt, die sind auch hart gegenüber ihren Fahrzeugen.
Begeistert betrachten wir die Industrie-Ruinen, da aber die Zeit schon drängt biegen wir in den Furtentrail ab.
 
Ein wettbewerbsartiger Trail führt uns ca. 13km in Richtung Meer, wir queren unzählige Male Bäche mit rot glänzenden Steinen im Bachbett unter glasklarem Wasser.
Ich bin begeistert, schon die Strecken durch die Berge brachten Ausblicke auf Landschaften, wie ich sie bisher noch nicht gesehen hatte, aber der Canyon und der Frutentrail stellten alles in den Schatten – dachte ich bis dahin.

Klaus und ich grinsen uns an, und ziehen beherzt am Kabel. Wir verlassen den Furtentrail und befahren einen sandigen Weg, der zum Strand von Piscinas führt. Über eine leichte Kuppe führt die Sandpiste und gibt plötzlich den Blick auf die großen Sanddünen bei Piscinas frei. Ich vergesse fast das Luftholen, so fesselt mich der Blick.

  
Nach einer kurzen Runde zum Strand und etwas Spielerei am Dünenrand, geht es zurück über die Sandpiste nach Norden. Über eine lange Brücke kommen wir in ein kleines Fischerdorf.
Noch zwei Cappos an der Fischerhafenbar in den Körper gekippt und es geht, bei aufziehenden Wolken, auf die Straße.
Für uns ist nun Schluß mit OffRoad, es ist wieder km-fressen angesagt, denn die Abfahrtszeit der Nachtfähre nach Livorno kommt unerbittlich näher. Wir gönnen uns noch ein kurzes Picknick am Meer, werden aber plötzlich von starken Regenschauern überrascht. Im Regen packen wir zusammen, machen uns so gut es geht wasserdicht und schultern die Rucksäcke. Im strömenden Regen starten wir die Moppetts, aber meine EXC springt nicht an!
Es muß der naß gewordene Notstoppschalter sein und reiße die Kabel hinter der Lampenmaske auseinander, aber keine Änderung ! Plötzlich springt die KTM an und weiter geht`s. Nach 1km geht plötzlich der Motor aus und ich stehe im Platzregen ….
Klaus raune ich zu : „das können wir jetzt aber nicht gebrauchen“, denn uns läuft die Zeit davon.
Ich schiebe die EXC am Straßenrand unter einen Balkon, checke die Elektrik, den Benzinstand und ………. dann kommt der Gedanke !
Klaus frage ich nach einem 8er Steckschlüssel, werfe mich unter die KTM und drehe die Ablaßschraube des Vergaserauffangbehälters raus, eine Wasser/Benzin-Soße läuft heraus. Ich sage zu Klaus das war es ! – er schaut ungläubig, ich drücke den e-Starter und die EXC läuft.
Der Furtenweg der Wasser in den Auffangbehälter spülte und ein leicht leckendes Schwimmernadelventil ließen die Vergaserbe- und entlüftungsschläuche Wasser, aus dem Auffangbehälter, in den Vergaser ziehen.
OK, ½ Stunde „verloren“, noch Volltanken und im strömenden Regen, bei starken Seewinden rauschen wir die Küstenstraße in Richtung Alghero. 1 ½-Stunden später beladen wir eilig den Transporter und fahren Richtung Fähre.
Am Hafen angekommen geht es direkt auf die Fähre und wir entspannen uns, wir hätten noch 1 Stunde Zeit gehabt.

Auf der, mit wenig Gästen belegten, Fähre tummelt sich sehr unterschiedliches Publikum, denn vom Ferrari-Club über den Häkelklub bis zu den Hells Angels war alles vertreten ……
Das GPS meldete für den 3. Fahrtag :
- Fahrstrecke 238km
- 3.037 Höhenmeter
- maximale Höhe 474m über dem Meer
6 Stunden Schlaf genügten und wir frühstückten beim Anlegen der Fähre noch im Bordrestaurant.
Dann ging es auf der Autobahn in Richtung Heimat.
Am frühen Nachmittag, wir hatten gerade den Brenner hinter uns, fing der Transporter plötzlich an zu „eiern“ – Plattfuß vorn rechts !
Nicht ganz so schnell wie in der F1 wechselten wir routiniert und schnell das Rad, denn Andrea wartete in München mit den Erdbeertörtchen ……….

Als kurzes Resümee kann ich schreiben :
- die Insel hat enorm viel Enduro-Potential …..
- Männer und Maschinen habe durchgehalten
- die Runde im Mienengebiet war einmalig !
- eine tolle Tour geht zu Ende – 644km Gesamtfahrstrecke
- es war mehr OffRoad – und zum Teil härter – als erwartet
- die blühende Landschaft  und die vielfältigen Gerüche beleben den Geist
- es wird lange Zeit dauern bis die Eindrücke verarbeitet sind.
- der Kontrast zwischen reichem Norden und armen Süden ist enorm, während im Norden die Bürgersteige mit kleinen Steinen zu einem Muster gepflastert sind, die edlen Cappo-Kneipen abends angestrahlt werden, ist die Hauptstraße im Süden ungeteert und vor der Dorfkneipe stehen einfache Plastikstühle.

So, das wars, nun in den nächsten 2 Wochenenden einen Schnellservice an der EXC machen, neue Reifen montieren und ab geht`s zur Chabo-Tour …..

Mr. 40-Stroke